Zystitis Laborchecks
Kennst du deine Feinde?
Die alles entscheidende Frage bei der wiederkehrenden Blasenentzündung:
"Was ist der Keim?"
Die Antwort auf die Frage ist oft ganz einfach: E. coli. Manchmal aber sind es andere Krankheitserreger. Und manchmal lassen sich die Keime nicht so einfach aufspüren, die dir so übel mitspielen.
Ist der Feind erstmal identifiziert, lässt sich eine gezielte Therapie einleiten. Kann man partout keinen Krankheitserreger finden, muss nach anderen Ursachen gesucht werden (schwacher oder hypertoner Beckenboden, überaktive Blase, Interstitielle Zystitis, Endometriose, Blasenkrebs, etc.).
Kennst du deine Freunde?
Im Kampf gegen die Feinde sind alle Freunde willkommen, die uns dabei behilflich sind.
Freunde sind das gesunde Mikrobiom im Darm, in der Vagina und in der Blase (Urobiom). Veränderungen des Mikrobioms durch hormonelle Störungen oder externe Faktoren (z.B. Antibiotika, übertriebene Intimhygiene) führen oft zu einem Ungleichgewicht der Bakterien in der Schleimhaut und zu einer Reduktion ihrer Schutzfunktion. Das begünstigt die Besiedlung und in weiterer Folge Infektionen durch pathogene Keime.
Mikrobiom & Schleimhaut
Wir wissen heute, dass wir von 100 Billionen Mikroben besiedelt werden, hauptsächlich Bakterien. Alle Mikroben in unserem Körper enthalten rund 3 Millionen Gene, das ist unser Mikrobiom. Der Begriff Mikrobiota bezeichnet die Gesamtheit aller Mikroorganismen. Sie siedeln häufig in Gemeinschaften von verschiedenen Einzellern in Form von Biofilmen.
Der Verdauungstrakt ist Spitzenreiter bei der Mikrobendiversität mit über 1000 verschiedenen Arten. Im Urogenitaltrakt sind es rund 150 Arten.
Die Schutzfunktion der bakteriellen Besiedlung durch symbiotische Bakterien hängt von der Zusammensetzung und der Vielfalt dieser Bakterien ab. Prinzipiell gilt eine hohe Diversität als günstig. Die Ausnahme hier ist die Vagina, die im Idealfall eine geringe Biodiversität hat.
Störungen der Darm-Mikrobiota können chronische Erkrankungen begünstigen oder sogar verursachen. Der Einfluss der Bakterien reicht dabei weit über den Darm hinaus, da sie auf unseren Stoffwechsel und auf das Mukosa-assoziierte Immunsystem einwirken - der Zentrale der Immunabwehr.
Es gibt viel Hinweise für einen Zusammenhang zwischen Störungen des Darms, der Vagina und der Blase. Die Herausforderung besteht darin, herauszufinden, ob zwischen Varianten des Mikrobioms und unterschiedlichen Beschwerden und Krankheiten ein kausaler Zusammenhang besteht. Hier stehen wir erst am Anfang. Alle bisherigen Studien werfen mehr Fragen auf als sie Antworten geben könnnen.
Was wir bisher sicher sagen können:
- Urin gesunder Menschen ist nicht steril und enthält verschiedene Mikroben.
- Das Mikrobiom der Blase (Urobiom) besitzt wahrscheinlich eine Schutzfunktion.
- In Zukunft werden wir hoffentlich krankmachende Bakterien weniger mit Antibiotika vernichten, sondern mit gesunden Bakterien oder Probiotika ein Gleichgewicht (Eubiose) wiederherstellen.

Zystitis Check
Das MVZ Institut für Mikroökologie hat verschiedene labordiagnostische Ansätze im Kampf gegen die rezidivierenden Blasenentzündungen, die durch das Versteckspiel von Bakterien verursacht werden (mehr dazu in diesem Artikel)
Der CystitisCheck ist ein Versuch hier langfristig Erfolg in der Behandlung zu haben. Der Befund zeigt die Ursachen der rezidivierenden Zystitis auf und verdeutlicht, in welcher Infektionsphase du dich befindest. Das ermöglicht eine phasenabhängige und damit zielgerichtete Therapie, die den bestehenden Infektionszyklus außer Kraft setzen kann:
- Akute Infektion: aktive E. coli und/oder andere Bakterien
- Remission: inaktive E. coli (E. coli-Bakterien mit verlangsamtem Stoffwechsel, die kulturell nicht nachweisbar sind, meist eingebettet und versteckt in einem Biofilm)
- Rezidiv steht bevor: inaktive* E. coli, Gardnerella vaginalis
- Rezidiv: aktive* E. coli, Gardnerella vaginalis
Das Wichtige dabei: Antibiotika sind bei E. coli im Biofilm oder Urothel (inaktive E. coli) nicht angezeigt! Denn dort überleben die Bakterien bis zu 1.500-fach höhere Antibiotikakonzentrationen, da das Antibiotikum die Bakterien nur schwer erreichen kann. Der Schuss geht nach hinten los: Die Antibiotika-Gabe schädigt das Urobiom und fördert so erst recht die Biofilmbildung.
Bei inaktiven (eingebetteten) E. coli empfehlen sich
- Immunstärkende Mittel (z.B. Autovaccine)
- Vaginalzäpfchen mit ätherischen Ölen (laut Aromatogramm)
- Probiotische Vaginalzäpfchen
- Kontrolle der Vaginalflora
- Unterstützend antibakterielle Phytotherapeutika
Bei aktiven E. coli und einem komplizierten Verlauf ist die Gabe von Antibiotika laut medizinischer Leitlinie oder Antibiogramm angezeigt, siehe Artikel Antibiotikum.
Genetische Diagnostik (NGS)
Bist du eine der Leidensgenossinnen, die nach einer Blasenentzündung persistierende Beschwerden aber negative Urinkulturen hat? Dann könnte das vielleicht schon bald auch im Praxisalltag mit erweiterten Urinkulturen oder Gensequenzierung weiter abgeklärt werden.
Denn wenn die klassischen Urinkulturen keine Mikroorganismen anzeigen, heißt das nicht, dass dort keine sind!
Stufendiagnostik
Wenn der Befund des CystitisChecks (Musterbefund) keine diagnostisch relevanten Hinweise liefert, kann man stufenweise weiter labordiagnostisch vorgehen.
Antibiogramm
Ein Antibiogramm zeigt, welches Antibiotikum gegen den nachgewiesenen Krankheitserreger wirkt.
Das ermöglicht den Einsatz eines Antibiotikums mit schmalem Wirkspektrum,
das den Schaden an der natürlichen Mikrobiota und die Entstehung von Resistenzen gering hält (hier ein Beispiel).
Aromatogramm
Ätherische Öle können das Wachstum von Krankheitserregern hemmen.
Ein Aromatogramm deckt gezielt die ätherischen Öle auf, die gegen den isolierten Erreger wirken. Methodisch ähnelt das Aromatogramm einem Antibiogramm.
Darmflora-Diagnostik
Für die Prävention und Therapie ist eine Darmflora-Diagnostik sinnvoll. Sie weist bakterielle Schlüsselorganismen nach, die die Zusammensetzung der Darmflora charakterisieren.
Damit lassen sich Störungen der Darmflora erfassen und die Auswirkungen auf das Immunsystem, die Schleimhautintegrität und die Stoffwechselprozesse im Darm abschätzen.
Schleimhaut-Diagnostik
Die Biomarker sIgA und β-Defensin 2 weisen die Fähigkeit der Darm-Schleimhaut nach, Erreger, Antigene und Schadstoffe abzuwehren.
Vaginalstatus
Bei einer bakteriellen Vaginose oder einer Genitalmykose ist das Gleichgewicht der Vaginalflora gestört.
Die VaginalStatus-Diagnostik deckt die Verschiebungen in der Zusammensetzung der Vaginalflora auf.
Vitamin D
Ein Vitamin D-Mangel kann die Gesundheit in vielerlei Weise beeinträchtigen (z.B. beeinträchtigte Immunmodulation).
Urogenitalstatus Mann
Erreger können beim Mann auch ohne Symptome auftreten, beim Geschlechtsverkehr übertragen werden und bei der Frau wiederkehrende Vaginosen auslösen.
Darmepithel
Die Biomarker Zonulin und α1-Antitrypsin zeigen die Durchlässigkeit des Darmepithels an (Leaky Gut). Sind die Werte der Biomarker im Stuhl erhöht, steigt das Risiko für Entzündungen.
Silent-Inflammation-Check
Der Silent-Inflammation-Check erfasst niedriggradige, systemische Entzündungen, die den Weg für eine ganze Reihe von Erkrankungen ebnen können oder chronische Erkrankungen unterhalten und verstärken.
Aufbau Mikrobiom / Schleimhäute
Es gibt viele Produkte zur Darmsanierung am Markt. Ich persönlich konnte gute Erfahrungen mit folgenden Produkten machen:
- SymbioFlor®* Produkte zur Darmsanierung
- nutrimmun Mucozink®* zum Aufbau der Schleimhäute